"Wir wollen nicht vergessen und nicht vergeben, und wir wollen es Kriegsverbrechern nicht gestatten, ihrer Bestrafung zu entkommen", sagte Abbas. Und weiter: "Israel hatte sich entschlossen, dieses Jahr zu einem Jahr des Genozids gegen das palästinensische Volk zu machen." So habe sich der Krieg zu einer "Serie von Kriegsverbrechen, begangen vor den Augen der ganzen Welt, entwickelt". Die Palästinenser hätten sich daher mit dem Antrag auf Zulassung einer Klage gegen Israel an den in Den Haag ansässigen Internationalen Gerichtshof gewandt.
Nach einem Bericht des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden durch die israelischen Angriffe mehr als 2.160 Bewohner des Gazastreifens getötet und mehr als 11.000 weitere verwundet. Dabei handelte es sich mehrheitlich um Zivilisten. Dagegen kamen gerade einmal 72 Israeli - davon 67 Soldaten - ums Leben.
Dieser Krieg wurde von den Israelis nach neunmonatigen schwierigen Verhandlungen unter der Schirmherrschaft der USA angezettelt, die im April ohne Ergebnis zuende gegangen waren. Während die Palästinenser bereit waren, alle Vereinbarungen einzuhalten und den Verhandlungen eine Chance zu geben, so Abbas, hätten die israelischen Besatzer jede Gelegenheit genutzt, die Möglichkeit zu einer Friedensvereinbarung zu sabotieren. Auf die Frage, ob es eine Fortsetzung der Friedensgespräche geben könne, sagte er, dass dies unmöglich sei.
In Israel wurden die Anschuldigungen in Abbas' Rede mit Empörung aufgenommen. Außenminister Lieberman erklärte, Abbas habe eine aufwiegelnde Ansprache voller Lügen gehalten. Es werde daraus deutlich, dass Abbas kein Partner für eine vernünftige diplomatische Vereinbarung sein könne. Auch das US-Außenministerium nannte die Rede von Abbas provokativ und nicht hilfreich bei der Suche nach einer Friedenslösung im Nahen Osten.